Wir bieten zu verschiedenen Themen bei unseren Info-Veranstaltungen Vorträge an. In der Vergangenheit haben wir beispielsweise zu Themen wie Patientenverfügungen und Vorsorgevollmacht informiert.
Zu erinnern ist in diesem Zusammenhang an die jüngste Vortragsreihe „Meine letzte Reise“, die im Vluyner Gemeindesaal ganz verschiedene Aspekte beleuchtete. „Dem Leben begegnen, im Gespräch über das Sterben“ führte zu einem intensiven Austausch. Gemeinsam hatten der Hopsizverein, die Evangelischen Kirchengemeinden Vluyn und Neukirchen und ein Bestattungshaus verschiedene, thematisch in sich abgeschlossene Abende vorbereitet.
Bei der Frage ‚Wie begebe ich mich auf die letzte Reise‘ erlebten die Gäste einen Austausch über das, was uns alle betrifft: Sterben, Abschiednehmen und Weiterleben. (Zum Nachlesen: Patientenverfügung/Vorsorgevollmacht: Beitrag von Laura Fleischhauer, Beitrag Abschied gestalten).
Auch das Thema Humor hat in der Sterbebegleitung einen Platz. Im Rahmen des 25-jährigen Jubiläums des Hospizvereins erfuhr das Publikum mit dem Referenten Christoph Gilsbach, welche Rolle die heilsame Kraft des freundlichen Augenblick hat. (Zum Nachlesen: Ein Bericht zu diesem Abend).
Anlässlich seines 25jährigen Jubiläums hat der Hospizverein NeukirchenVluyn seine Ehrenamtlichen zu einem besonderen Vortrag eingeladen: „Humor in der Begleitung“ mit Prof. Spaghetti alias Christoph Gilsbach, Pantomime, ClinicClown und langjähriger Dozent in Hospiz- und Pflegeeinrichtungen.
Schon nach wenigen Minuten wurde deutlich: Dieser Abend würde nicht nur informieren, sondern berühren, zum Lachen bringen – und Mut machen.
Das Publikum wurde von Anfang an einbezogen: Es las Zitate berühmter Persönlichkeiten, übernahm kleine Rollen auf der Bühne und erlebte, wie sich Menschen allein durch das Aufsetzen einer roten Nase entspannten, öffneten und mitspielten.
Er erzählte, wie er sogar als Patient vor, während und nach einer OP in seiner Rolle „Professor Spaghetti“ blieb, und zwar ausgestattet mit Fliege, Brille und roter Nase. Ein spielerischer Moment, der sofort zeigte, worum es im Kern ging: Humor schafft Beziehung. Humor schafft Nähe. Humor schafft einen anderen Blick auf das, was schwer ist.
Bis zur Pause führte Gilsbach durch seine beeindruckende Vita: Ausgebildet an der FolkwangHochschule, weitergebildet in New York, Paris und Florenz, seit 1998 als Pantomime, Performancekünstler und ClinicClown unterwegs – und seit vielen Jahren in Hospizen, Kliniken und geriatrischen Einrichtungen tätig.
Doch im Mittelpunkt standen nicht die Stationen seines Lebens, sondern die Geschichten: Begegnungen mit Kindern und Erwachsenen, die schwer erkrankt sind. Momente, in denen ein Lächeln, ein Augenzwinkern oder ein spielerischer Perspektivwechsel plötzlich Leichtigkeit schenkt.
Gilsbach machte deutlich: Humor ist keine Technik, sondern eine Haltung. Er entsteht aus Achtsamkeit, Präsenz und dem Mut, Menschen auf Augenhöhe zu begegnen – gerade dann, wenn Worte fehlen.
Er betonte: Clowns helfen nicht nur Kindern. Auch Erwachsene profitieren von Momenten der Leichtigkeit – besonders in Zeiten von Krankheit, Abschied und Trauer. Schon eine kleine Veränderung, eine rote Nase, ein unerwarteter Impuls kann Sender und Empfänger neu verbinden.
Nach der Pause – gestärkt durch Wasser, Schokokugeln und viel Sauerstoff – ging es weiter. Nun stand der Humor in der Hospizarbeit und Altenpflege im Mittelpunkt. Gilsbach erzählte von Begegnungen, in denen Humor Trost spendete, Mut weckte oder einfach einen Moment des Durchatmens schenkte.
Ganz ohne Kostüm, ganz ohne rote Nase – aber mit großer Tiefe.
Der Vortrag knüpfte an die Grundhaltung des Hospizvereins an: Der Tod beendet ein Leben – aber nicht die Verbindung.
In einer Gesellschaft, die Trauer oft privatisiert und tabuisiert, setzt der Hospizverein bewusst auf Begleitung, Austausch und Rituale:
Besonders bewegend war die Passage, in der er aus einem Buch zitierte, in dem Kinder und Jugendliche ihre Gedanken über Leben, Sterben und das Danach formulieren. Die Klarheit und Weisheit dieser Worte hinterließen im Raum spürbare Stille – und Dankbarkeit.
Zum Abschluss holte Gilsbach eine kleine Musikkiste hervor, die Lochstreifenmelodien spielte. Zunächst summten die Zuhörer nur mit – „Die Gedanken sind frei“, „Ode an die Freude“ – doch bald sangen viele leise mit. Ein zarter, gemeinsamer Moment, der den Abend rund machte.
Mit großem Applaus und herzlichen Dankesworten wurde Christoph Gilsbach verabschiedet.
Die Teilnehmenden erlebten einen bewegenden, humorvollen und ermutigenden Vortrag, der deutlich machte: Humor ist kein Luxus. Humor ist eine Ressource. Und Humor kann – gerade in der Hospizarbeit – ein freundlicher Augenblick sein, der trägt.